Pressematerial:
           

13/03/2000: 1. Aprilbräuche in aller Welt
13/03/2000: Etymologie, Historie und analytische Bedeutung der Träne

      

         

   

     

     

         

        

           

       

      

1. Aprilbräuche in aller Welt  (Index)

Der 1. April wird in der ganzen Welt nach dem Spruch gefeiert:
"Am 1. April schickt man den Narren, wohin man will."

In Indien herrscht an diesem Tag der Brauch, Leute auf alle mögliche Weise zum Narren zu halten; die Franzosen behaupten, an diesem Tag sei Judas geboren, infolgedessen habe der Satan Gewalt über die Welt bekommen. Dem Teufel sollte man aber durch den Narren zuvorkommen, denn Lachen verscheuche das Unheil.

Die Engländer glauben, der Ursprung der 1. Aprilbräuche sei in Frankreich zu erkennen, wo Mitte des 16. Jahrhunderts der Neujahrstag wieder auf den 1. Januar zurückverlegt wurde, nachdem man ihn jahrhundertelang am 25. März gefeiert hatte.

Der 1. April ist vorallem ein Spaß für die Erwachsenen und die Überlegenen gewesen, Väter haben ihre Kinder, Meister ihre Lehrlinge und Herren ihren gerade eingestellten Knecht in den April geschickt und befohlen, Schnakenfett oder gedörrten Schnee aus der Apotheke zu holen, Hühnergräten oder einen Windsack ins Nachbardorf zu tragen oder sich irgendwo ungebrannte Asche abzuholen.

In England und in den USA wird der Aprilnarr zum Essen eingeladen und man giesst ihm dann Wasser statt Wein ins Glas oder legt ihm einen rohen Fisch auf den Teller.
In den USA serviert man Fliegenpilze aus einem halben hartgekochten Ei und einer halben Tomate mit Mayonnaisetupfern und Spottbier aus biergelbem Zitronengelee mit Eischaum.

Der Brauch, Nachbarn und Freunde, Klassenkameraden und Lehrer in den April zu schicken, ist immer ein Spaß für phantasievolle Kinder und für Menschen, die dies nicht so leicht übel nehmen.

Eine andere These zum 1. April erklärt, dass an diesem Termin das römische Narrenfest stattfand. Auch der Augsburger Reichstag wurde 1530 auf den 1. April gelegt. Aus christlicher Tradition ist der 1. April aus dem "Herumschicken" Christi von Kaiphas zu Pilatus und Herodes am Abend vor der Kreuzigung (siehe Sprichwort: Von Pontius zu Pilatus) hervorgegangen.

In der Literatur wird der 1. April als Brauch, z.B. in dem englischen Roman "Clarissa Harlowe" von Richardson (übersetzt v. J.D. Michaelis, Göttingen, 1749) benannt. Auch Wolfgang von Goethe dichtet epigrammatisch zum 1. April:
   "Willst du den März nicht ganz verlieren,
    so laß nicht in April dich führen.
    Den ersten April sollst du mit viel Lachen
    überstehen,
    dann kann dir manches Gute nur geschehen."

Schließlich ist der April wegen seines regen Wassersegens bekannt, von denen sprichwörtlich noch einige Wendungen im Gebrauch sind: ...ein Aprilenwetter: zwischen Lachen und Weinen.

Folgerichtig ist der 1. April ein großer historischer Festtag für alle Lacher und Narren seit dem Mittelalter und wird fortan gebührend repräsentiert, geehrt und gefeiert. Die Bewußtmachung einer langen Tradition des Lachens setzt sich im Weltlachtag fort.

Bereits im letzten Jahr feierte die Lachbewegung den 1. Weltlachtag am 10. Januar mit 276 Menschen aus Nah und Fern in der Humorkirche, Wiesbaden-Erbenheim.

(Index)

   

   

  


Etymologie, Historie und analytische Bedeutung der Träne  (Index)

Tränen (althochdt. trahan, tran) entstehen bei heftiger Gemütsbewegung oder durch äußeren Reiz im Auge und werden mittels der Tränendrüse in klarer schwachsalziger Flüssigkeit in Form von Tropfen ausgeschüttet.
Die Tränen erscheinen in der Literaturgeschichte meist als etwas überirdisches, göttliches und werden nach Plato so überliefert:

TRÄNEN SIND DIE PERLEN DER SEELE

(vgl. "jene Venus ist dem brausenden Meer deiner Leidenschaft entstiegen, und nachdem sie als Aussaat der Seele ihren überirdischen Glanz erhielten, schlossen sich die Wimpern und die Tränenperlenaugen zu", Plato, Schriften 1, 224).

Die Bedeutung der Tränen in der europäischen Kulturanthropologie ist anhand von differenzierten Wortanalysen syntaktisch exakt zu verfolgen (eine Auslese):

"Freude wurde meine Träne" (Friedrich Gottlieb Klopstock, Kritische Ausgabe 1, 33)
"keine Träne fliest hier mehr dem Leiden, denn dein Lächeln ist es und die Träne mein" (Friedrich von Schiller, Über die ästhetische Erziehung des Menschen, 1793)
"die erste Träne, die du der Liebe und Freude weinst, hat dich Gott gesegnet, bist du Mensch geworden" (Theodor Körner, Geharnischte Sonette., 1814)
"sich in Tausend Tränen baden, bringt nur Freudenmeer" (Hugo von Hoffmannsthal, Elektra, 1904)
"er entdeckte durch seine Freude Träne, wie weit er mit seinem Herzen schon müsse gekommen sein" (Friedrich Hölderlin, Poetische Blumenlese fürs Jahr, 1793)

Die Tränensammlung am 1. April 2000 in der Humorkirche in Wiesbaden-Erbenheim steht in alter Tradition zu den Tränenfesten der Barockzeit: "also sollte auf Erscheinung der Freude anno 1618 ein allgemeines freuen, scherzen, gebett- und tränenfest sein gehalten worden" (Johann Valentin Andreae, Die chymische Hochzeit des Andreas Rosenkreutz,  1643).
In einem Tränengefäß, -flasche, -glas, -kelch, -töpflein, -krup, -urne wurden alle "freiwilligen Tränen" (Martini Opitz, Buch von der deutschen Poeterei, 1624) gesammelt und in der Dunkelheit in einer Tränengrube (lat. lacrimalis fossa) oder einer Tränenhöhle ("woraus die tränen des Elches kommen", nach Kaspar Stieler, Der geharnischte Venus, 1660) aufbewahrt.

Im Anschluß an diese Zeremonie feierte man ein Tränenfest (oder -feier) mit einem Tränenmahl ("...so dasz es uns nach einem solchen tränenfeste gerade zu muth ist, als wir einen besuch in spitälern abgelegt oder übermenschliches geleistet hätten, ein freudiges essen und trinken zu halten", nach Johann Gottfried Herder, Von Deutscher Art und Kunst, 1773). Aus Freude über ein gelungenes Tränenfest wurde der Ort des Geschehens auch als Tränenquelle, -brunnen bezeichnet ("und kniend an der stelle, flosz der liebe thränenquelle", nach Christian Gottfried Körner, 1636).

Eine Tränenquelle wird auch am 1. April 2000 in der Humorkirche (Wiesbaden-Erbenheim) entstehen, denn "von den erlachten Wangen, der freudentränensee mit küssen aufgefangen und in einem feste begangen und in menschlichkeit gefestigt" (Novalis, Geistliche Lieder, 1802).

Der Tränenstoff wird sicher reichlich fliessen!!!

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